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Corona-Information

Qualifizierte Teststrategie

00’36“: „Bei Unterschreiten der 35er (Inzidenzen) sind eigentlich alle grundrechts-beschränkenden Maßnahmen aufzuheben…“ 01’30“: „… es gibt eine verfassungsrechtliche Pflicht zur Rückkehr zum Normalzustand so schnell wie möglich. Und diese Pflicht hat die Regierung zu erfüllen, sowohl im Bund wie in den Ländern!“ Wolfgang Kubicki (Quelle: WELT)

Liebe Eltern schulpflichtiger Kinder,

zwei Nachrichten stimmen mich nachdenklich und ich würde gerne eure Meinung dazu erfahren.

Die Tagesschau berichtet am 16. Juni: (https://www.tagesschau.de/inland/gesundheitsminister-halten-an-testpflicht-bei-einreise-nach-deutschland-fest-101.html, Stand: 16.06.2021 18:11 Uhr)

„Die Länder wollen zudem flächendeckende Schnelltests zwei Mal pro Woche in Schulen und Kitas aufrechterhalten.“

In einem Schreiben an alle allgemeinbildenden Schulen vom 4.6.2021 informiert die Landeshauptstadt München Referat für Bildung und Sport bereits über die auch im kommenden Schuljahr geplante Testpflicht:

„Deshalb werden wir Mitte Juli Ihren Bestand erneut abfragen und dabei auch die Zahlen der zu testenden Personen im Schuljahr 2021/22 erheben.“

Wie viele von euch auch, versuche ich meine Kinder zu verantwortungsbewussten und rücksichtsvollen Menschen zu erziehen. Dazu gehört z.B. Müll zu vermeiden und wenn möglich zu recyclen. Wir haben am Küchentisch mit den Kindern das Verbot für Plastik-Trinkhalme diskutiert, die Vor- und Nachteile von Glas-Mehrwegflaschen gegenüber Tetra Pak, usw.
Der Schutz unserer Umwelt hat ja mittlerweile auch Einzug in die Lehrpläne gefunden.

Über die Ressourcen-Verschwendung durch Testkits an den Schulen wird dagegen nicht einmal nachgedacht?! Der Müll, aber auch das viele Geld, das dafür verbrannt wird, gehen zu Lasten des Klimas und der finanziellen Ausstattung der Schulen in der Zukunft. Es geht aber auch um die wertvolle Zeit im Klassenzimmer, die mit dem Testen vergeht. Und ganz wichtig, um die psychischen und sozialen Auswirkungen auf unsere Kinder. Wenn ich mich nicht als gesund wahrnehmen lerne und mich immer den Mitschülern misstrauisch gegenüber verhalten muss, wird eine Gesellschaft entstehen, der der Zusammenhalt fehlt.

Ich möchte daher dringend eine „Qualifizierte Teststrategie“ empfehlen, die verhältnismäßig und verantwortungsvoll helfen kann die Pandemie einzudämmen – aber eben nicht pauschal und Inzidenz unabhängig. Wir haben für (fast) alles ein Qualitätsmanagement eingeführt, wir haben einen qualifizierten Hauptschulabschluss und z.B. auch Einrichtungen wie den TÜV. Bei jedem Werkstattbesuch mit dem Auto ruft ein Mitarbeiter an und fragt nach meiner Zufriedenheit. Aber die Kultusminister können eine Testpflicht einführen und fortführen ohne jegliche Evidenz?!

  • Kinder haben ein sehr geringes Risiko, an Covid19 schwer zu erkranken.
  • Kinder geben in der Regel das Virus nicht an Erwachsene weiter, sondern werden überwiegend von diesen angesteckt.
  • Kinder stecken sich nur zu 1% in der Schule an und zu 99% an anderen Orten (z.B. in der Familie)
  • Schulen spielen im Gegensatz zum Arbeitsplatz eine untergeordnete Rolle im Pandemie-geschehen, die Schüler werden aber jedem Arbeitnehmer gegenüber schlechter gestellt.

Ein PCR-Test in erster Linie und ein Selbsttest unter bestimmten Vorraussetzungen kann helfen eine Diagnose klinisch abzusichern, es bedarf aber immer zuerst einer Indikation und ärztlicher Anamnese. Ohne einen konkreten Anfangsverdacht machen die Tests keinen Sinn, sondern erzeugen mehr Falsch-Positive Ergebnisse als Richtig-Positive. Vor allem bei den Schnelltests kommt es statistisch zu genauso vielen Richtig-Positiven, wie leider auch zu Falsch-Negativen. Damit wird sogar symptomatischen Menschen bescheinigt nicht ansteckend zu sein, obwohl sie bereits infiziert sind. (Siehe Anlagen!)

Der große Vorteil der Schulen besteht gerade darin, dass Infektionen sehr gut nachverfolgt werden können. Darauf hat Christian Drosten schon im Sommer 2020 hingewiesen. Eine Lockerung der Masken- und Testpflicht wäre dort leicht möglich und könnte auch sehr schnell und konkret bei einem Verdachtsmoment wieder eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu ermöglicht die Stadt München jetzt Kulturveranstaltungen bis 500 Personen ohne Testpflicht.

Seit vielen Jahren haben sich medizinische Masken bei Operationen, auf Intensivstationen und im Umgang mit immungeschwächten Patienten bewährt. Warum jetzt eine FFP2-Maskenpflicht in Schulen und Läden bei einer Inzidenz von unter 50 immer noch vertreten wird, erschließt sich mir nicht. Eingeführt wurde die FFP2-Maske mit dem Hinweis einen größeren Selbstschutz zu gewährleisten. Mittlerweile gibt es auch die Impfungen. Es ist also sehr gut möglich Risikogruppen zu schützen und gleichzeitig unseren Kindern und der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung wieder ihr „normales“ Leben zurückzugeben.

Die von mir geforderte qualifizierte Teststrategie soll „flächendeckende Schnelltests“ und eine „bundeseinheitliche Testpflicht“ verbessern und damit die Sicherheit erhöhen!

  • Begründeter Anfangsverdacht, medizinische Indikation
  • Örtlich begrenzt auf betroffene Schule, Kita, Hort, Mittagsbetreuung
  • Zeitlich begrenzt, z.B. 28 Tage nach Anfangsverdacht
    Vorzugsweise Pooltestung mittels PCR-Test
  • Invasive Probenentnahme nur durch medizinisches Fachpersonal unter Wahrung aller Persönlichkeitsrechte
  • Evaluation/QM

Auch eine Quarantäne-Anordung für Kinder bis 16 Jahre muss dringend qualifiziert werden. Gerade bei geringer Inzidenz ist ein PCR-Test zu fehleranfällig. Eine Nachtestung sollte also genauso verpflichtend sein, wie eine medizinische Diagnose durch einen Arzt. Nur wenn ein Kontakt 1. Grades auch als begründet ansteckend klassifiziert werden kann, kann es ggf. gerechtfertigt sein, ein Kind für 14 Tage zu isolieren.

Vielleicht wäre es möglich als Pilotschule oder Pilotklasse voranzugehen und so der Politik aber auch der Wissenschaft zu innovativen Erkenntnissen zu verhelfen? Wie beurteilt ihr die aktuelle Lage und den Gemütszustand eurer Kinder? Welche Sorgen und Ängste habt ihr?

Ich freue mich auf einen konstruktiven Dialog,
schreibt mir einen Kommentar auf dieser Seite unten 🙏

Leitet diesen Brief (Qualifizierte-Teststrategie) an möglichst viele Eltern, Lehrer und andere Entscheidungsträger weiter!
Vielen Dank❤️

 

Anmerkungen und Quellen:

Im Schuljahr 2020/2021 werden in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen rund 10,9 Millionen Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie an Schulen des Gesundheitswesens unterrichtet.
(https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/03/PD21_115_211.html)

Als Vergütung kalkuliert das Ministerium mit bis zu 6 Euro pro Schnelltest plus 12 Euro fürs Test-Abnehmen und das Ausstellen eines Testzeugnisses. Diese Vergütung sei nötig, um eine ausreichende Zahl von Anbietern sicherzustellen. Die Kosten soll der Bund tragen.
(https://www.zeit.de/news/2021-03/01/bund-schlaegt-zwei-gratis-schnelltests-pro-woche-fuer-alle-vor)

10.900.000 Schüler x 2 Test/Woche x 4 Wochen/Monat x 6 € = 523.200.000 €/Monat

Pooltestungen für Erzieherinnen und Erzieher
(Sendedatum: 26.05.2020 14:00 Uhr, https://www.ndr.de/nachrichten/info/43-Coronavirus-Update-Das-Leben-nach-draussen-verlagern,podcastcoronavirus214.html)

Drosten: (…) Wer zeigt an, dass ein Ausbruch im Gange ist? Das ist die Erziehungsperson, die symptomatisch wird, und hinter Symptomen her testen können wir relativ gut. Das ist nicht ressourcenverschwendend, das können wir von Seiten der Labortestexperten zusagen. (…)
Zum Beispiel die Testung im Poolverfahren, wo man mehrere niedrig wahrscheinliche Tests (also Proben von Personen, wo man eigentlich denkt, die werden das nicht haben), wo man die gemeinsam testet unter fast keinem Sensitivitätsverlust, das ist inzwischen gut etabliert (…)
Das ist auch finanziell nicht eine absolute Ressourcenverschwendung.

Statistiken der LMU München:

CODAG Bericht Nr. 17 vom 11.06.2021
(https://www.covid19.statistik.uni-muenchen.de/newsletter/index.html)

Das Risiko bei Schulkindern – Ein Blick in die Daten
Vergleichend auf 7 Tage berechnet, also als exemplarische 7-Tage-Unfallinzidenz je 100.000 Einwohner, ergibt dies einen Wert von ca. 4.5, also etwa das zwei- bis vierfache der (…) angegebenen Hospitalisierungsinzidenzen. Dies spiegelt wider, dass die Hospitalisierung “mit” oder “wegen” COVID-19 kein extremes Risiko darstellt, zumindest verglichen mit dem Risiko im Straßenverkehr.

CODAG Bericht Nr. 16 vom 28.05.2021
(https://www.covid19.statistik.uni-muenchen.de/newsletter/index.html)

Der Anteil der Infektionen aus Schulausbrüchen bleibt auch in den folgenden Wochen KW 16-19 verschwindend gering. Im Mittel waren etwa 1% der gemeldeten Fälle bei Kindern auf Infektionen an der Schule zurückzuführen. Dieser Anteil hat sich nach den Osterferien tendenziell verringert.

Ergebnisse der SAFE School Studie
des Universitätsklinikum Frankfurt:

Mit insgesamt 10.836 dokumentierten Tests wurden in der Studie fünf Fälle einer SARS-CoV-2-Infektion korrekt nachgewiesen, noch bevor der Lehrerin bzw. dem Lehrer die Infektion mit dem Virus bewusst war. Davon war ein Proband noch nicht symptomatisch und bei vier Personen bestanden zum Zeitpunkt des Antigentests bereits ganz unterschiedliche, meist milde Symptome.

In drei Fällen wurde eine Infektion durch einen RT-PCR-Test nachgewiesen, der nicht im Rahmen der Studie durchgeführt wurde. Bei diesen Fällen hatten die Antigen-Tests zunächst keine Infektion angezeigt, die Probandin oder der Proband wurde aus verschiedenen Gründen dennoch mit einer PCR positiv getestet. Man muss hier also von einem falsch negativen Antigentest ausgehen.

Außerdem traten während der Studie 16 falsch positive Antigentests auf, bei denen der häusliche Test einen positiven Befund angezeigt hatte, in der Überprüfung mittels PCR eine SARS-CoV-2 Infektion aber ausgeschlossen werden konnte.

https://www.kgu.de/ajax/news-detail/artikel/ergebnisse-der-safe-school-studie-liegen-vor/?no_cache=1&cHash=8de7a496ab0e76da739a0e289d42c002

In meinen eigenen Worten zusammengefasst:

Es wurden bei über 10.000 Testungen nur 4 Fälle gefunden (die allerding auch symptomatisch waren) und es wurden 4 Fälle übersehen (1 präsymptomatischer, 3 falsch-negative)

Das zeigt für mich, dass die Nachteile der Antigen-Schnelltestung die Vorteile klar überwiegen. Ein einfacher Blick auf die Symptome hätte 4 von 5 durch den Schnelltest entdeckte Fälle sicher erkannt und 16 Lehrern (4mal soviele) einen Fehlalarm erspart!

Kosten der Testkits: 10.836 x 6 € = 65.016 €

Siehe auch diese Studien:

Testing should be reintegrated into clinical care with clinical and public health oversight and case definitions based on clinical diagnosis. Carefully designed prospective studies of cases and contacts are needed to estimate transmission rates by people with and without symptoms.
https://www.bmj.com/content/371/bmj.m4851

Rund 190.000 PCR-Tests ausgewertet
Ergebnisse allein ungeeignet als Grundlage für Pandemie-Maßnahmen
Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE)

Liegt der Ct-Wert bei positiv Getesteten bei 25 oder höher, geht man derzeit davon aus, dass diese nicht mehr ansteckend sind, weil die Viruslast zu gering ist. „Bei durchschnittlich etwa 60 % der Getesteten mit COVID-19-Symptomen wurden solch hohe CT-Werte nachgewiesen; in den Wochen 10 bis 19 waren es sogar 78 %, die sehr wahrscheinlich nicht mehr ansteckend waren“, betont Prof. Stang. „Auch das Abfragen von COVID-19-Symptomen bei Getesteten würde helfen, die Ergebnisse von RT-PCR-Tests besser bewerten zu können.“
(https://www.uni-due.de/2021-06-18-studie-aussagekraft-von-pcr-tests)

 

 

 

2 Antworten auf „Qualifizierte Teststrategie“

Die Kinder sind nach wie vor die Leidtragenden dieser Maßnahmen.
Ich kann mich den Forderungen nur anschließen. Wann wollen wir unsere Kinder wieder ohne Masken und Ängste ins Leben gehen lassen wenn nicht bei diesen niedrigen Inzidenzen.

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