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Corona-Information

Maßlose Maskerade

Verordnungen, die Menschen nötigen, ihre Münder und Nasen zu bedecken, machen außerhalb von OP-Sälen keinen Sinn.

 

Eine verordnete Maßnahme, die augenscheinlich vom Sinne losgelöst und dabei sogar schädlich ist und doch von einem Großteil der Bevölkerung anstandslos umgesetzt wird, machte mich in publizistischer Hinsicht ratlos. Daher erschien mir eine Stellungnahme zum Thema Maskenpflicht viele Wochen vermessen, insofern erwachsene, selbstverantwortliche Menschen betroffen sind.

Dieser Umstand änderte sich, als ich ganz persönlich auf mein vermeintliches Fehlverhalten hingewiesen wurde: Ich hatte maskenlos, dafür mit Attest bestückt einen Bio-Supermarkt betreten. Ich wollte tatsächlich bar einer geeigneten Haltung und Garderobe für diesen im Jahr 2020 politischen Akt, mit zwei unserer Töchter Einkäufe erledigen und wurde dabei quasi kalt erwischt.

„Es ist nicht richtig, was Sie da tun!“, sprach es mich an, durch die Bananen. „Sie stecken mich an.“ Der Herr, der gut Bescheid wusste, befand es nicht für nötig, mir bei seiner Einlassung in die Augen zu blicken — wohl wissend, dass ich ohnehin nicht das Wesentliche erkennen könnte. Er hatte sich weitgesichtig verhängt.

Nun, was entgegnet man in der Kürze?

So entstand also dieser Text.

Tatsächlich hat sich in der Breite der Bevölkerung keine Sachkenntnis durchgesetzt, wie erforderlich das Maskentragen im Alltag ist. Wer im Juli 2020 seinen Fuß vor die Tür setzt, erlebt bei seinen Mitmenschen, dass sie Sinn und Unsinn verordneter Maßnahmen weitgehend nicht hinterfragen. Stattdessen scheint das Bedürfnis übermächtig, sich einem verordneten Konsens nicht entgegen zu stellen, selbst, wenn das eigene Risiko deutlich erfahrbar ist, sobald sich die Atemluft beim Nähern eines Stoffes Richtung Mund und Nase reduziert.

Aufgrund der freilich massiven gesundheitlichen Risiken und Nachteile, die das Tragen von Stoffen vor Mund und Nase mit sich bringen, sowie der Risiken für unsere, freilich bereits massiv geschädigte, freiheitlich-demokratische Grundordnung, betrachte ich es als dringlich, meinen Beitrag zur sachlichen Aufklärung zu leisten.

Maskenpflicht — Verfolgung eines legitimen Zwecks?

Der offenbar verfolgte und offiziell verkündete Zweck liegt darin zu verhindern, dass sich das Virus Sars-CoV-2 ungehemmt ausbreitet. Soweit hiermit kein offensichtlich verfassungswidriger Zweck verfolgt wird und das gewählte Mittel, die Pflicht Mund und Nase zu bedecken zumindest mit der Möglichkeit, sich durch ein ärztliches Attest davon befreien zu lassen, legal erscheint, muss die Geeignetheit der Maßnahme zur Erreichung des legitimen Zwecks geprüft werden.

Notwendigkeit unter rationellen Erwägungen?

Sofern einen die Anwendung der Ratio, also der Vernunft, nicht restlos verstört, müsste man jedoch zunächst konstatieren, dass die Notwendigkeit, die Ausbreitung des Virus zu verhindern, gar nicht gegeben ist. Die entscheidenden Eckdaten haben wir oft gelesen:

Unter Berücksichtigung der vom Robert Koch-Institut und der jeweiligen nationalen Behörden veröffentlichten Sterblichkeits-Zahlen lässt sich feststellen: Der Höhepunkt der „Pandemie“ bestand am 1. März 2020, die Infection Fatality Rate (IFR) für Deutschland liegt bei einem Wert von 0,36, das Durchschnittsalter der an Covid-19 Verstorbenen liegt zwischen 80 und 86 Jahren (1).

Die Rückläufigkeit der Ansteckungsraten sowie die Letalität von Covid-19 sprechen damit eine deutliche Sprache: Das Virus bewegt sich im Bereich einer uns bekannten, für immungeschwächte und vorerkrankte Personen schweren Krankheit: einer mittelschweren-schweren Form der Influenza, deren IFR mit 0,1 angegeben wird (2).

Da hilft auch keine gebetsmühlenartige Wiederholung unserer Entscheider, inklusive des Ministerpräsidenten Markus Söder — gefährlicher wird dieses Virus nicht. Darüber hinaus ist höchst streitig, ob eine Verhinderung der Ausbreitung überhaupt statthaft ist, soweit der Gesetzgeber in der Tat die Volksgesundheit im Auge hätte.

Es ist eine erst seit März 2020 steil erscheinende These, die die Erreichung stabiler und dauerhafter Gesundheit der Bevölkerung von einer ausreichenden Durchseuchung im Sinne einer Herdenimmunisierung abhängig macht. Davor war das der Lauf der Dinge, die Biologie, das Leben an sich.

Herr Söder bedient sich nun religiöser Semantik, es sei eine „Sünde“ (3), offizielle Narrative nicht schlucken zu wollen, so „verkündet“ er in seiner Videobotschaft vom 11. Juli. Markus Söders Ambitionen reichen also weitaus weiter, als so manch einer vermutet hätte.

So sehr alle laut rufen mögen, „Gefahr! Gefahr!“, nur die Maske und die Angst und der Abstand werden uns retten — bald schon werden wir aus Solidarität und Mitgefühl alle gebrauchten Masken an ihn weiter reichen, auf dass er sich im Sturmwind der sich Bahn brechenden Empörung maskieren kann — zur Gefahrenabwehr im eigentlichen Sinne.

Nun, wo offensichtlich keine Gefahr besteht, zumindest nicht durch Pandemien zum Stand 2020, da ist eine Gefahrenabwehr inklusive Maskenpflicht eine sprichwörtliche Themenverfehlung. Das ist eine von Grund auf herzerwärmende Feststellung, die den Verantwortlichen weitläufigen Spielraum ermöglicht, sich einmal so richtig sinnstiftend austoben zu können.

Es sei also festgehalten: Eine Maske brauchen wir nicht außerhalb von OP-Sälen, in die wir selten spazieren.


Freitag, 07. August 2020, 12:00 Uhr

https://www.rubikon.news/artikel/masslose-maskerade

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